Ferne Liebe

Ein Film über Exilfans in Berlin

In keiner anderen Stadt Deutschlands gibt es so viele Fans auswärtiger Vereine wie in Berlin. Für den Film Ferne Liebe haben wir verschiedene Fanclubs aus der Bundeshauptstadt über die gesamte Hinrunde der Saison 2015/2016 begleitet und zeigen, was es bedeutet hunderte Kilometer vom Heimatort seines Lieblingsvereins zu leben. Es werden Fans gezeigt, die jedes zweite Wochenende in die ferne Heimat ihres Lieblingsvereins fahren und dort im Stadion genauso eine Dauerkarte besitzen wie einheimische Fans. Und es werden Fans gezeigt, die sich jedes Wochenende in ihrer Fanclubkneipe in Berlin treffen und deren einziger Stadionbesuch jede Saison dann stattfindet, wenn ihr Lieblingsverein im Olympiastadion oder in der Alten Försterei spielt. Was zählt, ist die Leidenschaft – wie sie ausgelebt wird, ist jedem selbst überlassen.
Näher betrachtet werden in Ferne Liebe die Hauptstadt-Fanclubs von Fortuna Düsseldorf, dem VfB Stuttgart, Borussia Mönchengladbach, dem SC Freiburg, Arminia Bielefeld, dem VfL Bochum, dem 1.FC Kaiserslautern, dem 1.FC Nürnberg und anderen. Ein halbes Jahr wurden die Fanclubs bei ihren Aktivitäten begleitet, ehe man den Großteil der Fans im Januar 2016 beim »Siege statt Hiebe«-Turnier wieder traf. Bei dem jährlich stattfindenden Turnier messen einzelne Hauptstadtfanclubs ihr Können am Kickertisch. Zwanzig Fanclubs treffen sich in ihren Farben unter einem Dach und gemeinsam feiert man den Fußball und das Kickern – ohne, dass eine Hundertschaft Polizei in Alarmbereitschaft versetzt werden muss.
Ferne Liebe geht der Frage nach, wieso fernab der fußballerischen Heimat des Lieblingsvereins eine friedliche Fanlandschaft möglich ist und was einen Exilfan überhaupt ausmacht. Dazu stellt der Film zunächst die Frage, wie man überhaupt zum Exilfan wird. Viele Auswärtsfans kommen aus der Region ihres Lieblingsvereins und sind aus den unterschiedlichsten Gründen (Beruf, Liebe, Abenteuerlust) in Berlin gelandet. Was ist jedoch mit den Fans, die in Berlin geboren sind? Warum entdeckt ein waschechter Berliner sein Herz für Fortuna Düsseldorf, den VfL Bochum oder Arminia Bielefeld? Und welche Rolle spielen für diese Berliner Fans regionale Rivalitäten wie z.B. zwischen Köln und Mönchengladbach, Nürnberg und Fürth oder zwischen den Bayern und 1860?
Ausgehend von dieser Fragestellung wird der Film den Gründen nachgehen, warum es fernab der fußballerischen Heimat möglich ist, friedlich und sportlich miteinander umzugehen, während es in und um die Stadien immer wieder zu Auseinandersetzungen kommt.
Ferne Liebe gibt einen ersten Einblick in die Exilfanszene der Hauptstadt. Er schafft einen Überblick und stellt einzelne Fanclubs in ihren Kneipen aber auch auf Auswärtsfahrten oder bei Spielen in Berlin vor. »Es war und ist uns mit dem Film zunächst ein Anliegen gewesen, der Öffentlichkeit eine Übersicht zu geben und zu zeigen, dass es in Berlin bei weitem nicht nur Hertha- und Union-Fans gibt und dass in dieser bunten Stadt trotzdem alle irgendwie gut miteinander auskommen. Selbstverständlich sind wir uns bewusst darüber, dass wir in einem Film mit 99 Minuten Länge nur einen kleinen Ausschnitt des Paralleluniversums zeigen können. Tiefer in die Geschichten der Menschen einzudringen oder auch weitere, z.B. internationale Fanclubs zu zeigen, die in Ferne Liebe nun keinen Platz gefunden haben – all dies wäre die Aufgabe weiterer Filme, die dieses großartige Thema hoffentlich in Zukunft aufgreifen werden«, sagte Regisseur Martin Zeising anlässlich der Weltpremiere des Films im März 2016 in Berlin.

Die Dreharbeiten für Ferne Liebe haben von Juli 2015 bis in den Januar 2016 gedauert. Seine umjubelte Weltpremiere feierte der Film bei der 13. Ausgabe des 11mm-Fußballfilmfestivals im März 2016 in Berlin. Zur Zeit arbeiten die Macher an weiteren Möglichkeiten Ferne Liebe einer breiten Öffentlichkeit zugängig zu machen. Die Realisation des Films wird über den Förderpool PFiFF (Pool zur Förderung innovativer Fußball- und Fankultur) der Deutschen Fußball Liga (DFL) gefördert. Die DFL hat weder in der Konzeption, noch in der Umsetzung Einfluss auf Inhalte des Filmes genommen.

Verantwortlich für das Projekt: Martin Zeising

Projektleiter Martin Zeising ist Filmemacher und Journalist und arbeitet in Berlin. Sein letzter Film So weit weg immer näher lief im Jahr 2014 in den deutschen Kinos. Als Vorsitzender des offiziellen 1.FC Nürnberg-Fanclubs Clubberer 04 Berlin ist er in der Berliner Fanszene bestens vernetzt.

Das Team:

Regie und Kamera: Martin Zeising
Kamera: Marcus Staab-Poncet
Kamera: Christoph Herrmann
Ton: Uwe Griem

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